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Johanna Heisig

Portrait von Heisig

Johanna Heisig

Kontakt

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
IGK 1956 Kulturtransfer und ‚kulturelle Identität‘
Stadtstraße 5
79104 Freiburg im Breisgau
Deutschland

johanna.heisig[at]igk1956.uni-freiburg.de
Tel.: +49 761 203 98670

Projekt

Bilderwelten und Weltbilder. Kunst und Ethnographie in Russland
zu Beginn des 20. Jahrhunderts

In der Kunstszene ganz Europas ist für die Zeit um 1900 ein hohes Interesse am kulturell Fremden zu beobachten. In den Metropolen des russischen Imperiums ist die Situation in doppelter Hinsicht eine besondere: Erstens rückt durch den rasanten demographischen, infrastrukturellen und technologischen Strukturwandel der Jahrhundertwende die bäuerliche Kultur des Dorfes in den Blick. Zweitens bietet das Russische Zarenreich mit seinen über 130 Nationalitäten und 260 Sprachen einen Reichtum ethnischer und kultureller Diversität. Im Gegensatz zu ihren westeuropäischen KollegInnen suchen die KünstlerInnen der russischen Metropolen das kulturell Fremde darum nicht primär in der Südsee, sondern auch im eigenen Land.
Das Projekt erforscht die Verbindungen zwischen Ethnographie und Avantgardekunst in Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Arbeit versteht sich als wissensgeschichtliche Untersuchung. Die künstlerische Bewegung des Neoprimitivismus fungiert dabei – so meine These – als Scharnier zwischen den Wissensbereichen der Kunst und der Ethnographie. Im Zentrum der Untersuchung stehen fünf Akteure: Vladimir Markov, Natal’ja Gončarova, Mikhail Larionov, Kazimir Malevič und Elena Guro. Die Arbeit nimmt einen Dreischritt vor: (1) Wie kommen die KünstlerInnen in Kontakt mit der Ethnographie? (2) Wie imaginieren die KünstlerInnen das ‚Andere‘? (3) Inwiefern verändern sich die Kunst, die Kunstschaffenden selbst und ihre Beziehung zur ‚eigenen‘ Kultur durch den Kontakt mit anderen Strukturen der Wahrnehmung, des Ausdrucks und des Denkens?
Bereits jetzt zeichnet sich die These ab, dass sich der/die KünstlerIn als ‚Wanderer‘ zwischen den epistemen besonders gut zu eignen scheint. Denn anstatt die Differenz in den Vordergrund zu rücken, suchen die KünstlerInnen vielmehr die Ähnlichkeiten zwischen sich und den Figuren des ‚Primitiven‘, womit die Kategorie des ‚Primitiven‘ transzendiert wird. Dieser Modus eines Denkens in Ähnlichkeiten soll in Bezug gesetzt werden zu den Ideen und Praktiken der tonangebenden ethnographischen Institutionen des späten Zarenreiches. Die Metropole Petersburg stellt als „Laboratorium der Moderne“ und Zentrum der russischen Ethnographie um 1900 einen zentralen räumlichen Faktor dieser Auseinandersetzung dar. Hier nehmen die NeoprimitivistInnen die Position kultureller MittlerInnen ein, die auch aus ihrer jeweiligen biographischen Erfahrung erschlossen werden soll. Ziel des Projektes ist es, zu kartieren, wie die ethnographische Auseinandersetzung mit dem ‚Anderen‘ die Wahrnehmung des ‚Eigenen‘ affiziert: Die Fremdwahrnehmung wirkt auf die bisher vertraut erschienene Kultur in verfremdender Weise zurück und bedingt „inversive Ethnologien“. Spiegelbildlich zu den Figuren des ‚Primitiven‘ entsteht eine innere Ethnologie der Moderne, um deren Verständnis die Künstler genauso ringen, wie um das der sibirischen Schamanen.

Betreuungsteam:
Prof. Dr. Dietmar Neutatz
Prof. Dr. Dorothee Kimmich

Vita

Seit Dez 2018
Doktorandin im IGK 1956 „Kulturtransfer und ‚kulturelle Identität‘ – Deutsch-russische Kontakte im europäischen Kontext“

Sep – Nov 2018
Dreimonatiger Studien- und Forschungsaufenthalt an der Staatlichen Ilia Universität Tbilissi, Georgien

Jul 2018
Teilnahme am Meisterkurs „Kosmopolitismus. Eine Idee und ihre Geschichte seit der Aufklärung“ mit Jürgen Osterhammel

Mär 2018
Annahme als Doktorandin an der Philosophischen Fakultät der Universität Tübingen

Mär – Nov 2018
Mitarbeiterin des BKM-Projekts „Wandernde Dinge und migrierende Menschen. Zur Aufarbeitung des schwäbischen Erbes in Georgien“

Jan – Nov 2018
Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Literaturwissenschaftliche Kulturwissenschaft/ Kulturtheorie (Prof. Dr. Dorothee Kimmich)

Okt 2017
Staatsexamen in den Fächern Geschichtswissenschaften und Germanistik

Okt 2016 – Jul 2017
Teilnahme am Studienkolleg des Forum Scientiarum der Universität Tübingen (Kollegjahr „Raum und Zeit“)

WS 2015/16
DAAD – Stipendiatin an der Staatlichen Universität Moskau, Russische Föderation

Okt 2015 – Mär 2016
Sechsmonatiges Praktikum am Russisch-Deutschen Institut für Wissenschaft und Kultur der Staatlichen Universität Moskau, Russische Föderation

Jan 2016
Sechswöchiges Praktikum an der Schule 1231 imeni V. D. Polenova, Moskau, Russische Föderation

Jan 2014 – Jul 2017
Stipendiatin der Friedrich – Ebert – Stiftung

2013 – 2015
Mitarbeiterin des BKM-Projekts „Zirkulation von Nachrichten und Waren“ des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Ludwig Uhland Instituts für Empirische Kulturwissenschaft

Apr 2012 – Aug 2017
Studentische Hilfskraft am Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde der Universität Tübingen (Prof. Dr. Klaus Gestwa)

Okt 2011
Eberhard Karls Universität Tübingen
Studium der Geschichtswissenschaften, Germanistik, evangelische Theologie


Veranstaltungen
(am Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde der Eberhard Karls Universität Tübingen)

Tutorium zum Proseminar „Die Zäsur 1812: Wie der Feldzug in Russland zum Vaterländischen Krieg wurde und die napoleonische Ära beendete“ von Dr. Anna Ananieva (Sommersemester 2012).

Tutorium zum Proseminar “St. Petersburg: Stadtgeschichte, soziale Räume und ihre Akteure” von Dr. Anna Ananieva (Wintersemester 2012/2013).

Tutorium zum Proseminar „Familie und Kindheit im russischen Kaiserreich“ von Dr. Katharina Kucher (Wintersemester 2014/15).

Tutorium zur Übung „Ukraine. Geschichte und Gegenwart einer europäischen Nation“ von Prof. Dr. Klaus Gestwa (Sommersemester 2015).

Tutorium zum Proseminar „Populäre Medien und Praktiken: Stadtleben und Kulturkonsum im östlichen Europa des 19. Jahrhunderts“ von Dr. Anna Ananieva (Sommersemester 2015).

Mentorat zu der Vorlesung „Geschichte Sibiriens vom 16. Bis 21. Jahrhundert“ von Prof. Dr. Klaus Gestwa (Sommersemester 2016).


Veröffentlichungen

Musikalische Unterhaltung bei Charles Mayer (1799–1862), in: Ananieva, Anna (Hg.): Zirkulation von Nachrichten und Waren, Stadtleben, Medien und Konsum im 19. Jahrhundert, Tübingen 2016, S. 183 – 190.

Tagungsbericht: European Elites and Revolutionary Change: 1789 – 1848 – 1917. The Aftermath, 02.11.2017 – 03.11.2017 London, in: H-Soz-Kult, 08.12.2017, (abrufbar unter: www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-7433).

Tagungsbericht: Kulturelle Spuren Georgiens in Deutschland, 04.10.2018 – 05.10.2018 Tiflis, in: H-Soz-Kult, 22.11.2018, (abrufbar unter: www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-7956).

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