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Julian Völkle

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Projekt

‘Tätige Resignation’ – Die Schopenhauer-Rezeption bei A. P. Čechov und die Idee eines existenzorientierten Denkens

Der in Russland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts am stärksten rezipierte ausländische Philosoph ist Arthur Schopenhauer (1788-1860). Diese Rezeption, u.a. bei Tolstoj oder Turgenev, wird zumeist unter zweifelsohne zentralen Aspekten seiner Philosophie, wie dem des Pessimismus oder dem der Ästhetik, untersucht. Dabei werden diese Philosophie und die darin formulierte Ethik fälschlicherweise überwiegend als lethargische, pessimistische, als Abfinden mit dem Status quo verstanden.

Doch fokussiert man zentrale ethische Elemente dieser Philosophie – wie die Ethik des Mitleids oder die Resignation – ergibt sich noch ein anderes Bild: Schopenhauer zielt auf das Individuum und sein Verhältnis gegenüber der Absurdität des Daseins, das sich eben nicht in einer Resignation qua einem „sich-Einrichten“ erfüllt, sondern in einer performativen Haltung der Resignation vollzogen werden muss. Einer Resignation verstanden als stumpfer Indifferenz steht eine der reflektierten Gleichgültigkeit gegenüber.

Die Dissertation untersucht nicht nur wie russische Autoren, v.a. Anton Pavlovič Čechov, an diese zweifache Lesart des Resignationsbegriffs anknüpfen, sondern zudem wie sich diese Rezeption der Schopenhauerschen Philosophie auf die Bildung einer russischen Identität (etwa im Diskurs über die „Rückständigkeit“, die oblomovščina oder auch im Verhältnis Individuum-Kollektiv) niederschlug, wie sie dieselbe prägte und wie das (eklektisch) Rezipierte möglicherweise auch in dem Diskurs instrumentalisiert wurde.

Der unterschiedliche Bezug auf den Topos der Resignation gibt also letztlich Auskunft über die Stellung des Rezipienten zu diesem Topos selbst, darüber aber auch über sein Verhältnis zu den zeitgenössischen Diskursen und letztlich – gerade über den in Deutschland wiederum stark rezipierten Čechov – auch Auskunft über den Transfer dieser „Stellungnahme“ zurück nach Deutschland.

Betreuungsteam:
Prof. Dr. Lore Hühn (Erstbetreuung)
Prof. Dr. Elisabeth Cheauré
Prof. Dr. Aleksej Kruglov

Vita
Oktober 2014-Oktober 2017: Promotion am IGK 1956

Oktober 2007–Oktober 2014
Studium (Staatsexamen) der Fächer Philosophie/Ethik (HF), Geschichte (HF), Deutsch (NF) an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br.
Thema der Abschlussarbeit: „Die Schopenhauer-Rezeption in der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts“

Juli 2013–Oktober 2014
Studentische Hilfskraft im Dekanat der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen (ALU Freiburg)

August 2013–September 2013
Woronesch, Russland (Internationale Sommerschule „Russland im Spannungsfeld zwischen Europa und seinen imperialen Peripherien“)

Juli 2011–August 2011
Lwiw (Lemberg), Ukraine (Internationale Sommerschule „Ukrainian Language and Country Studies“)

Februar 2011–Mai 2011
Irkutsk, Russland (Stipendienprogramm „Völkerverständigung macht Schule“ der Robert Bosch Stiftung)

Oktober 2009–August 2010
Tutor für Osteuropäische Geschichte (ALU Freiburg)

Mai 2009–Juni 2009
Poltawa, Ukraine (Studentische Projektarbeit)

Publikationen, Vorträge

Publikationen

2010
1.
«Vor 300 Jahren bei Poltawa. Vorder- und Hintergründe», in: “Wie ein Schwede bei Poltawa…”. Die Erinnerung an die Schlacht von Poltawa 1709 und ihre Bedeutung für die Identitätssuche der Ukraine in Europa, hg. Guido Hausmann und Romea Kliewer, Felsberg, edition eins, 2010, 27-30.

2.
«Poltawa 1909 und 2009. Das Zusammenspiel von Erinnerungskultur und Politik», in: “Wie ein Schwede bei Poltawa…”. Die Erinnerung an die Schlacht von Poltawa 1709 und ihre Bedeutung für die Identitätssuche der Ukraine in Europa, hg. Guido Hausmann und Romea Kliewer, Felsberg, edition eins, 2010, 37-39.

3.
«Die russisch-ukrainischen Beziehungen in der postsowjetischen Zeit. Ein gleichberechtigtes Verhältnis?» (in Zusammenarbeit mit Clara-Luise Sutterer), in: “Wie ein Schwede bei Poltawa…”. Die Erinnerung an die Schlacht von Poltawa 1709 und ihre Bedeutung für die Identitätssuche der Ukraine in Europa, hg. Guido Hausmann und Romea Kliewer, Felsberg, edition eins, 2010, 122-124.

 

Vorträge

Juli 2014
“Die Schopenhauer-Rezeption in Russland unter existenzphilosophischen Gesichtspunkten”
8. Milestones-Symposium “Literaturwissenschaft international: Freiburg – Moskau – St. Petersburg”, Freiburg

Dezember 2014
“Die Schopenhauer-Rezeption in Russland unter besonderer Berücksichtigung des Resignationsbegriffs”
1. Symposium des IGK 1956, Freiburg

März 2015
“A.P. Čechovs philosophische Auseinandersetzungen (Schopenhauer, Mark Aurel) und die Entwicklung existenzphilosophischer Positionen”
2. Symposium des IGK 1956, Moskau

Juni 2015
“Die Funktion der Langeweile im Werk Anton P. Čechovs – Eine Allusion auf die Philosophie Schopenhauers?”
10. Milestones-Symposium “Literaturwissenschaft international: Freiburg – Moskau – St. Petersburg”, Freiburg

Juni/Juli 2015
“Функция скуки в сочинениях А.П. Чехова – Намёк на философию А. Шопенгауера?”
Konferenz Irkutsk, Titel: “Философия Чехова”

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