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Dr. Elena Korowin

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Dr. Elena Korowin

Kontakt

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
IGK 1956 Kulturtransfer und ‚kulturelle Identität‘
Stadtstraße 5
79104 Freiburg im Breisgau
Deutschland

elena.korowin[at]mail.igk1956.uni-freiburg.de
Tel.: +49 761 203 98572

Projekt

Dissidente Ästhetik und interkulturelle Hybridität

Am Anfang dieses Forschungsvorhabens steht die Frage nach der Bedeutung des/der russischen bzw. sowjetischen Dissidenten/Dissidentin im Kanon der (west)deutschen Kultur im 20. Jahrhundert. Es steht außer Frage, dass Dissidenten aus der Sowjetunion während des Kalten Krieges in der Bundesrepublik große Aufmerksamkeit genossen haben, man denke dabei an Alexander Solschenizyn, Boris Pasternak, Andrej Sacharow und viele andere. Warum war in der Bundesrepublik das Interesse gerade an der Position der Unangepassten so groß? Die sowjetischen Dissidenten/Dissidentinnen erfüllten eine wichtige Aufgabe: In der westdeutschen Rezeption waren ihre Stimmen die Stimmen der Freiheit und des modernen westlichen Denkens, die durch ihr „Anderssein“ in ihrer Heimat verfolgt und verfemt worden waren. In der Bundesrepublik dagegen wurden sie gefeiert als Intellektuelle und Künstler/-innen, die auf die dunklen Seiten des sowjetischen Systemapparats zeigten.

Im Kalten Krieg entwickelten sich in Bezug auf Kunst und Literatur die unterschiedlichsten Bezeichnungen für unangepasste Intellektuelle und Künstler/-innen, darunter waren Dissidenten/Dissidentinnen, Nonkonformisten/Nonkonformistinnen, Underground-Künstler/Künstlerinnen. Ihr Schaffen bzw. ihre Haltung wurde beschrieben als andere Kunst oder innere Migration. Aus diesem Grund wird im ersten Teil des Forschungsprojektes eine Definition und Genese des Begriffes Dissident/Dissidentin beabsichtigt. Im nächsten Schritt werden künstlerische Positionen näher betrachtet und auf ihre dissidente Haltung bzw. Aussage hin untersucht. Einige dieser Künstler/Künstlerinnen stießen auf großes Interesse im Westen nicht nur wegen ihrer Position, sondern auch – so die Hypothese – wegen ihrer ästhetischen Formsprache. Ein Beweis hierfür sind Generationen von Künstlern/Künstlerinnen, die ideologisch ebenso im dissidenten Feld anzusiedeln wären, dem westlichen kunstgeschichtlichen Kanon jedoch völlig unbekannt sind.

Das in der Kunstsoziologie verankerte Projekt soll mehr Licht auf den inflationär gebrauchten Begriff des Dissidenten/der Dissidentin bringen und eine kritische Betrachtung medialer Rezeption dieser Positionen im Westen liefern.

Vita
Werdegang

seit Oktober 2016
Postdoktorandin am IGK 1956 „Kulturtransfer und ‚kulturelle Identität’. Deutsch-russische Kontakte im europäischen Kontext“

2014–2016
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunstwissenschaft und Medienphilosophie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe

2012–2014
Kuratorische Assistenz an der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden

2013
Promotion in Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe bei Prof. Dr. W. Ullrich und Prof. Dr. A. Raev (Otto-Friedrich-Universität Bamberg)
Thema: Der Russen-Boom. Sowjetische Ausstellungen als Mittel der Diplomatie in der Bundesrepublik Deutschland 1970-1990
Ausgezeichnet mit dem ifa Forschungspreis Internationale Kulturpolitik 2016

Oktober 2012–Februar 2013
Lehrauftrag am Institut für Kunstwissenschaft und Medienphilosophie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe

2008–2012
Freie Mitarbeit (kuratorische Assistenz, Museumskommunikation) an der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden

2007–2008
Mitarbeiterin der Museumskommunikation am ZKM Karlsruhe

2007–2010
Studium der Kunstwissenschaft und Medientheorie, Philosophie und Ästhetik an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

Publikationen

Dissertation

„Der Russen-Boom. Sowjetische Ausstellungen als Mittel der Diplomatie in der BRD“, Böhlau Verlag, Köln 2015.

Herausgeberschaften

1. „Sebastian Winkler. Musée des matériaux“, Kerber Verlag, Köln 2016.
2. „Balkon zum Balkan“, (Hg.) Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, 2015.
3. „Room Service. Vom Hotel in der Kunst und Künstlern im Hotel“, (Hg.) Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, Walther König, Köln 2014.

Aufsätze

1. „Das Hotel. Von Gastlichkeit und Repräsentation seit der Antike bis heute“ in “Room Service. Vom Hotel in der Kunst und Künstlern im Hotel“ (Hg.) Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, Walther König, Köln 2014, S. 17-25.
2. „Teresa Margolles. La Promesa“ in: „MACHT DER MACHTLOSEN“ (Hg.) Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, Walter König Köln 2013, S. 41-42.
3. „Tatlins Geist?“ in: TATLIN. Neue Kunst für eine neue Welt. Internationales Symposium, (Hg.) Museum Tinguely, Hantje Cantz Ostfildern 2013, S. 98-101.
4. „Amazonen, Schwestern oder einfach nur Genossen? Russische Avantgardistinnen und ihre Bedeutung in Deutschland“, in: „Künstlerinnen. Neue Perspektiven auf ein Forschungsfeld der Vormoderne“, (Hg.) Birgit Ulrike Münch, Andreas Tacke, Markwart Herzog, Sylvia Heudecker, Michael Imhof Verlag Petersberg 2017, S. 211-219.
5. „Postcolonial Art in the European Context”, in: „Empire and Colonial Art. An Anthology of Essays“, (Hg.) Maria João Castro, ArTravel Lissabon 2017, S. 177-190.
6. „The Russian Boom: Abstract Art as Means for Cultural Diplomacy between the Soviet Union and West Germany (1970-1990)“, in: „Practices of Abstract Art”, (Hg.) Isabel Wünsche und Wiebke Gronemeyer, Cambridge Scholars Publishing 2016, S. 207-224.
7. „Traum, Trauma und Tabu. Verbotene Kunst 2006 in Moskau“, in: “When Exhibitions become Politics”, (Hg.) Verena Krieger und Elisabeth Fritz, Böhlau Verlag Köln, 2016, S. 183-202.

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