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Theodora Billich

Portrait von Theodora Billich

Theodora Billich-Soroceanu

Kontakt

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
IGK 1956 Kulturtransfer und “kulturelle Identität”
Stadtstraße 5
79104 Freiburg im Breisgau
Deutschland

theodora.billich[at]mail.igk1956.uni-freiburg.de
Tel: +49 761 203 98571

Projekt

Die Ballets Russes in Europa ‒ Studien zur Rezeption in der französischen und deutschsprachigen Literatur von 1909 – 1929

Das Dissertationsvorhaben untersucht die Rezeption der Ballets Russes in der französischen und deutschsprachigen Literatur von 1909 bis 1929. Die Ballets Russes debütierten im Jahr 1909 unter der Direktion Sergej Djagilevs in Paris und avancierten in Folge des fulminanten Erfolgs der Premiere zu einem der bedeutendsten Ballettensembles des 20. Jahrhunderts, dessen Wirkungszeitraum eine 20 Jahre währende Tourneebewegung durch Europa und Amerika umfasste. Dabei profilierten sich die Ballets Russes nicht nur als Impulsgeber einer tanzgeschichtlichen Revolution, sondern etablierten sich ebenso als kosmopolitisches Projekt der europäischen Avantgarde, für das der Impresario Djagilev internationale Kollaborationen des russischen Künstlerkollektivs mit bedeutenden westeuropäischen Schriftstellern, Komponisten und Malern wie Hugo von Hofmannsthal, Jean Cocteau, Pablo Picasso, Richard Strauss oder Claude Debussy koordinierte. Der literarischen Generation offerierten die Ballets Russes einen Resonanzraum für das geistige Klima der Jahrhundertwende und dessen rezenten Fragestellungen sowie geistesgeschichtlichen oder philosophischen Implikationen, welche die Literatur mit neuartigen ästhetischen Darstellungsformen zu reflektieren versuchte.

Insgesamt manifestiert sich die literarische Reaktion auf die Ballets Russes – neben der Kollaboration einiger Schriftsteller mit dem Ensemble – etwa in biographischen Rezeptionszeugnissen, brieflichen Korrespondenzen, poetologischen oder zeitgeschichtlichen Reflexionen sowie lyrischen, dramatischen oder essayistischen Werken kleineren oder größeren Umfangs. Dabei – so die These des Dissertationsvorhabens – entfaltet sich in der Kommunikation der westlichen Kulturszene mit den Ballets Russes nicht nur ein künstlerischer Ideenkontakt, sondern repräsentiert diese gleichermaßen einen Reflexionsraum nationaler, beziehungsweise kultureller Selbstthematisierung: Einerseits beabsichtigte es die Kompanie Djagilevs, das Ballett als elitäre Kunstform spezifisch russischen Gepräges und als Transfermedium russischer Kultur zu etablieren, das im westlichen Europa als Repräsentationsraum des authentischen und unverfälschten Russlands fungieren sollte. Andererseits dokumentierte der enthusiastische Konsum der Ballette sowie die produktive Auseinandersetzung mit diesen durch verschiedene Autoren insbesondere während der ersten Wirkungsjahre des Ensembles unter anderem wie die Ballets Russes durch die westeuropäische Rezeption projektiv vereinnahmt und Selbstreflexionen dienstbar gemacht wurden: Als prototypisch russische Eigenschaften identifizierte Qualitäten der Inszenierungen wurden oftmals mit rezenten Vorstellungskomplexen über die asiatische oder orientalische Hemisphäre verknüpft und der eigenen okzidentalen Tradition als Kontrastprogramm oder als Korrektiv gegenübergestellt. So gehörten die Ballets Russes zum Repertoire der Alteritätskonstruktionen des 20. Jahrhunderts, vor deren Hintergrund der aktuelle Zustand der eigenen Kultur verhandelt wurde.

In diesem Zusammenhang ist das vorliegende Dissertationsprojekt als diachrone komparatistische Studie angelegt. Die Rezeption der Ballets Russes sowie deren kulturgeschichtliche Bedeutung sollen hierbei unter folgenden Gesichtspunkten analysiert werden: Zunächst sollen die jeweiligen nationalen Rezeptionsmilieus porträtiert werden, in denen Autoren produktiv auf die Inszenierungen der Ballets Russes reagierten. Diesbezüglich soll die allgemeine Resonanz auf die Ballettproduktionen des Ensembles in Paris, Wien und Berlin durch die systematische Sichtung und Auswertung von Rezensionen der Aufführungen durch die Presse in den jeweiligen Städten unter der Fragestellung, wie russische Kultur wahrgenommen wurde, rekonstruiert werden. Ausgehend davon soll die produktive Auseinandersetzung von französischen und deutschsprachigen Autoren mit den Ballets Russes innerhalb ihres Produktionskontextes und in Hinblick auf die verschiedenen Sinnkonstellationen, in welche die Ballets Russes positioniert wurden, Gegenstand der Untersuchung sein.

Betreuungsteam:
Prof. Dr. Andreas Gelz (Erstbetreuung)
Prof. Dr. Dieter Martin
Prof. Dr. Aleksej Žerebin

Vita

Seit Oktober 2016
Doktorandin am IGK 1956 „Kulturtransfer und ‚kulturelle Identität‘ – Deutsch-russische Kontakte im europäischen Kontext“

2015
Wissenschaftliche Prüfung für das höhere Lehramt am Gymnasium

2012–2013
Auslandsaufenthalt an der Université Paris Denis Diderot (Paris VII)

2012
Wissenschaftliche Hilfskraft am Freiburg Institute for Advanced Studies bei Prof. Dr. Anja Stukenbrock (germanistische Linguistik)

2007–2015
Studium der Fächer Deutsch und Französisch für das höhere Lehramt am Gymnasium an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau

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