Franziska Altmann

Portrait von Altmann

Franziska Altmann

Kontakt

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
IGK 1956 Kulturtransfer und ‚kulturelle Identität‘
Stadtstraße 5
79104 Freiburg im Breisgau
Deutschland

franziska.altmann[at]igk1956.uni-freiburg.de
Tel.: +49 761 203 98670

Projekt

Die „dunkle Seite“ der Phantastik: Cineastische Spielarten des Horrors in Adaptionen Nikolaj Gogol’s Vij

Wie ein moderner Mythos wirkt Nikolaj V. Gogol’s Erzählung Vij mit ihren phantastischen Wesen wie Hexen, Wiedergängern und einem monströsen Gnomanführer. Seiner Zeit voraus, schafft der aus der Ukraine stammende Autor eine russischsprachige Schauergeschichte mit horriblen Elementen. Gogol’s Ästhetik in Manier englischsprachiger Gothic Fiction und deutschsprachiger Schauerromantik verfehlt zwar zunächst bei zeitgenössischen Literaturkritikern ihre schaurige Wirkung, ebnet aber im Zuge der Etablierung des Filmmediums im Russischen Imperium den Weg für die Phantastik und deren Subgenre: 1909 legt der Regisseur Gončarov mit seiner cineastischen Adaption Vij den Grundstein für den ersten russischsprachigen Horrorfilm. Bis zur Revolution wird Vij noch zwei weitere Male verfilmt, doch gelten die Filmrollen als verschollen. Die horriblen Elemente der Erzählung bewegen den italienischen Regisseur Mario Bava 50 Jahre später zur ersten westlichen Leinwandinterpretation: La maschera del demonio wird durch den erfolgreichen US-Export 1960 zum Blockbuster und tradiert den italienischen Giallo. Mit Blick auf die Entwicklung des westlichen Phantastikgenres veranlasst das sowjetische Filmkomitee 1967 eine Neuproduktion. Unter dem Filmemacherduo Kropačёv und Eršov avanciert Vij zum Kassenschlager und wird bis heute als der einzige sowjetische Horrorfilm gehandelt. Seitdem wurde Vij über ein Dutzend Mal weltweit cineastisch adaptiert. Dabei sind es vor allem Gothic-Elemente, die sich in den internationalen Adaptionen wie La maschera del demonio (1989), Sveto Mesto (1990) oder The Coffin (2008) dem Horrorfilmgenre subsumieren, aber in den russischsprachigen Adaptionen unter dem Paradigma der Phantastik ein Changieren kultureller Identität durch gleichzeitige Abgrenzung und Nähe zur Ukraine ermöglichen. Die Ursachen für den Gebrauch des phantastischen Deckmantels liegen einerseits in den durch den sowjetischen Film tradierten Sehgewohnheiten der Rezipienten, andererseits im Einhalt materieller Produktionsentwicklung seitens des russischen Staates, der den Ausbau des Horrorgenres durch institutionelle Kontrollinstanzen hemmt. Das Dissertationsprojekt ist an der Schnittstelle von Literatur-, Kultur- und Filmwissenschaften angesiedelt und nutzt deren analytisch-methodischen Instrumente. Das forschungsleitende Interesse gilt dabei der Rekonstruktion der Entwicklung eines russischsprachigen Horrorfilms am Beispiel von Vij. Im ersten Schritt wird die Erzählung in der literaturwissenschaftlichen Analyse um die Lesart einer Horrorerzählung ergänzt. Im zweiten Schritt dienen die gewonnen Kategorien als Untersuchungsbausteine zur Filmanalyse. Angelehnt an Methoden des Kulturtransfers, rückt der Film als Kulturwirtschaftsgut in den Mittelpunkt und berücksichtigt somit wirtschaftliche, soziale und politische Dimensionen. In Retrospektive dienen die Filmanalysen als Aushandlungsforen kultureller Identität im russischsprachigen Raum, die Gogol‘ als Spieler mit der „dunklen Seite“ der Phantastik bereits in seiner Erzählung anstößt.

Betreuungsteam:
Prof. Dr. Evi Zemanek (Erstbetreuung)
Prof. Dr. Elisabeth Cheauré und Prof. Dr. Joachim Grage
Prof. Dr. Ekaterina Dmitrieva

Vita
Seit Okt 2019
Kollegiatin des Internationalen Graduiertenkollegs 1956 „Kulturtransfer und ‚kulturelle Identität‘ – Deutsch-russische Kontakte im europäischen Kontext“

Dez 2018 – Sep 2019
Mitarbeiterin für Tagungsmanagement im Projekt „Leistung macht Schule“ an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe

Mär – Nov 2018
Mitarbeiterin für Projektorganisation und -kommunikation des Projektbüros Deutsch-Kasachische Universität an der Hochschule Schmalkalden

Seit Mai 2017
Annahme als externe Promovendin am Institut für Slawistik & Kaukasusstudien an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. (Vorläufiger) Titel der Dissertation: „Nado bojat’sja- das russische Horror-Genre in Gogol’s Vij“

Aug 2016 – Sep 2017
Honorardozentin für Deutsch als Fremdsprache an der Technischen Universität Ilmenau

Sep 2014 – Mai 2016
Sprachassistentin am Sprachlernzentrum des Goethe-Instituts Kaliningrad, Russische Föderation

Feb 2013 – Jun 2013
DAAD „Go East“-Stipendiatin an der Belarussischen Staatlichen Universität Minsk, Belarus

Sep 2012 – Jan 2013
Erasmus Plus-Stipendiatin an der University of Manchester, UK

Okt 2011 – Jun 2014
Masterstudium der Ostslawistik an der Universität Leipzig.
Titel der Masterarbeit: „Lev Tolstoj goes to Hollywood: Russianness in drei Anna Karenina Verfilmungen“

Okt 2008 – Jun 2011
Bachelorstudium der Ostslawistik an der Universität Leipzig. Titel der Bachelorarbeit: „Die Utopie als Topos in Artur Klinaŭs Essay Minsk-Sonnenstadt der Träume“


Akademische Mitgliedschaften

seit 2018
Mitglied im Deutschen Slavistenverband

Okt 2009 – Dez 2010
Gewähltes Mitglied im Fachschaftsrat Slawistik und Sorabistik an der Universität Leipzig


Publikationen

Russian Slashers/A Subgenre’s Development through Politics, in: Booth, Paul/Karkanias, Alena (Hrsg.): A Celebration of Slashers/The 2018 DePaul Pop Culture Conference, San Francisco 2018, S. 27-34.

Artur Klinaŭs Essay Malaja padarožnaja knižka pa horadze Sonca/Minsk als Utopia, in: Nádeníček, Petr/Różanska, Katarzyna/Weigl, Anna (Hrsg.): Junge Slavistik im Dialog III/Beiträge zur VI. Slavistischen Studentenkonferenz, Hamburg 2012, S. 9-15.


Vorträge

Aug 2018
14th International Gothic Association Conference “Gothic Hybridities: Interdisciplinary, Multimodal and Transhistorical Approaches” an der
Manchester Metropolitan University, UK
Vortragstitel: „Nado bojat’sja – the Russian Horror Genre in Nikolaj Gogol’s Movie Adaptations Viy“

Mai 2018
Pop Culture Conference „A Celebration of Slasher“ an der DePaul University Chicago, USA
Vortragstitel: „Russian Slashers − A Subgenre’s Development through Politics“

Jan 2011
Konferenz „Junge Slavistik im Dialog“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Vortragstitel: „Artur Klinaŭs Essay Malaja padarožnaja knižka pa horadze Sonca − Minsk als Utopia“

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