Charlotte Murphy

Charlotte Murphy

Kontakt

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
IGK 1956 Kulturtransfer und ‚kulturelle Identität‘
Stadtstraße 5
79104 Freiburg im Breisgau
Deutschland

charlotte.murphy[at]igk1956.uni-freiburg.de
Tel.: +49 761 203 98571

Projekt

Aufarbeitung, Erinnerung, Transfer? Der Umgang mit den Verbrechen des Nationalsozialismus und des Stalinismus in deutsch-russischer Vergleichs- und Verflechtungsperspektive

Mein Projekt untersucht, wie in Deutschland und Russland im Vergleich mit den historischen Verbrechen des Nationalsozialismus und des Stalinismus umgegangen wurde und wird. Dabei interessiert mich insbesondere, inwiefern im Umgang mit der Vergangenheit zwischen Deutschland und Russland Verflechtungen erkennbar sind und ob in diesen Fällen von Kulturtransfers gesprochen werden kann.

Zunächst werde ich nachzeichnen, wie sich die historiographische und die staatlich-öffentliche Aufarbeitung des Nationalsozialismus und des Stalinismus in der Bundesrepublik und in der Sowjetunion in einer Vergleichsperspektive seit 1945 bzw. 1953 entwickelten. Verflechtungen in der deutsch-russischen Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus und des Stalinismus sind das Ergebnis langjähriger Entwicklungen und Diskurse in Deutschland und der Sowjetunion. Sie führen etwa ins sowjetische Dissidentenmilieu der 1960er/1970er Jahre und ihrer Kontakte nach Deutschland. Entscheidend waren in dieser Zeit besonders die Kontakte zwischen Lew Kopelew und Heinrich Böll sowie zwischen dem nonkonformistischen Künstler und Bildhauer Vadim Sidur und dem Slawisten Karl Eimermacher, der seine Kunst in die Bundesrepublik brachte. Auf der Grundlage des Archivmaterials wird herausgestellt, inwiefern sich diese Kontakte auf den Umgang mit der Vergangenheit auswirkten und Anstöße für ihre Aufarbeitung boten.

In den letzten 30 Jahren hat es wichtige Entwicklungen und Verflechtungen in Erinnerung und Aufarbeitung zwischen Deutschland und Russland gegeben, die den Kern meiner Untersuchung bilden. Wichtige Projekte und Institutionen, die den Umgang mit dem Nationalsozialismus und dem Stalinismus prägen sind das deutsche Kunstprojekt Stolpersteine von Gunter Demnig, das russische Projekt Die letzte Adresse, die Verbindungen zwischen der Berliner Topographie des Terrors und der Gesellschaft Memorial und ihrem Projekt Eto prjamo zdes‘, die Gedenkstätte Sachsenhausen sowie das Moskauer Gulag-Museum. Zentral für die historiographische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der beiden Länder ist die 1997 gegründete Gemeinsame Kommission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen. Diese Projekte und Institutionen verdeutlichen unterschiedliche Ansätze des Umgangs mit der Vergangenheit, die von zivilgesellschaftlichen Initiativen, Kunst, der offiziellen bzw. staatlichen Erinnerungskultur bis zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Vergangenheit reichen. Mit einem qualitativen Ansatz (Experteninterviews) sollen auf deutscher und russischer Seite Verflechtungen, Transferprozesse und Mittlerpersonen näher untersucht und herausgearbeitet werden.

Betreuungsteam:
Prof. Dr. Dietmar Neutatz (Erstbetreuung)
Prof. Dr. Weertje Willms
Prof. Dr. Dirk Kemper

Vita

Seit Oktober 2020

Kollegiatin des Internationalen Graduiertenkollegs 1956 „Kulturtransfer und ‚kulturelle Identität‘ – Deutsch-russische Kontakte im europäischen Kontext“ an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

2017 – 2020

Master of Arts im Fach „Kultur und Geschichte Mittel- und Osteuropas“, Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder), Deutschland

Abschlussarbeit: Erinnerungspraxis und Ehrenamt – eine Untersuchung (zivil-)gesellschaftlichen Engagements im Geschichtsbereich im heutigen Russland

2013 – 2017

Bachelor of Arts in den Fächern Geschichte und Politikwissenschaft, Universität Osnabrück

Abschlussarbeit: Zwischen Deutschland und Polen: 1956-1972. Das Anliegen der bundesdeutsch-polnischen Schulbuchrevision im Spiegel der Zeit


Auslandsaufenthalte

März 2020

Forschungsaufenthalt in Moskau an der Higher School of Economics, Moskau, Russische Föderation, gefördert durch ein DAAD-PROMOS-Stipendium

2018 – 2019

Zehnmonatiger Auslandsaufenthalt an der Staatlichen Universität Sankt Petersburg, Russische Föderation, gefördert durch ein Erasmus+-Stipendium (KA-107) und ein „Go East“-Stipendium des DAAD

Februar/März 2016

DAAD Go-East Winterschule “Exploring Siberia ’16. Winter Edition”, Irkutsk State Technical University, Russische Föderation


Stipendien

Oktober 2017 – März 2019: Deutschlandstipendium in Kooperation mit der Mebus-Pleuger Stipendienstiftung

April 2016 – September 2016: Deutschlandstipendium


Universitäre/wissenschaftliche Tätigkeiten

Oktober 2019 – September 2020: Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für vergleichende politische Soziologie (Dr. Rafael Mrowczynski), Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder)

September 2016 – März 2017: Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl des Juniorprofessors für Migration und Integration der Russlanddeutschen (Jun. Prof. Dr. Jannis Panagiotidis), Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS), Universität Osnabrück

September 2016 – August 2018: Studentische Hilfskraft am Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung (GEI), Braunschweig

Praktika am BKGE (Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Oldenburg) und GEI (Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung, Braunschweig)

Vorträge und Publikationen

Vorträge

Dezember 2020

„Aufarbeitung, Erinnerung, Transfer? – Zum Umgang mit den Verbrechen des Nationalsozialismus und des Stalinismus zwischen Deutschland und Russland“, Projektvorstellung im Kolloquium von Prof. Dietmar Neutatz, Universität Freiburg


Publikationen

Charlotte Murphy, Robert Maier: Migration als Unterrichtsthema in Deutschland und Tschechien. 14. deutsch-tschechische Schulbuchkonferenz. In: Bohemia Band 57 Nr. 1 (2017), S. 173 –177.

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