Darʹja Kuzʹmenko

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Russland

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Projekt

Gerhart Hauptmann und die russische Literatur

Gerhart Hauptmann setzte sich über 40 Jahre intensiv mit Russland und der russischen Literatur auseinander. 1897 schrieb er in sein Tagebuch, L. N. Tolstoj und H. Ibsen hätten ihm die Zukunft näher gebracht, und in seiner Autobiographie „Abenteuer meiner Jugend“ bezeichnete er die Werke F. M. Dostoevskijs als eine der prägendsten Erfahrungen seiner Jugend.

Vor diesem Hintergrund hat sich dieses Projekt zum Ziel gesetzt, eine umfassende Untersuchung des Einflusses der russischen Literatur auf das Schaffen G. Hauptmanns vorzulegen.

Gegenstand der Untersuchung ist zum einen sein Roman „Der Narr in Christo Emanuel Quint“ (1910). In diesem Roman wird das von vielen Forschern für die russische Kultur als bedeutsam erachtete Phänomen der Narrenschaft in Christo in das Deutschland des späten XIX. Jahrhunderts übertragen, wobei zu beachten ist, dass es sich bei der Narrenschaft in Christo in diesem Fall nicht um eine religiöse Askese, sondern um eine spezifische Weltanschauung handelt. In diesem Sinne ist Hauptmanns Protagonist teilweise von Fürst Myškin aus Dostoevskijs Roman „Der Idiot“ inspiriert.

Die Psychologie Christi scheint in diesem Roman von der Psychologie der zeitgenössischen sozialen Wahrheitssucher und Reformer aus dem volkstümlichen Umfeld von Quint „überlagert“ zu sein, deren Persönlichkeiten und Schicksale Hauptmann als Schlüssel zur Deutung der Persönlichkeit und des Schicksals des evangelischen Christus dienen. In Gestalt von Quint bringt der Autor seine humanistische und antiklerikale Haltung zum Ausdruck, die tolstojanische Idee des gewaltfreien Widerstands und die Suche nach der Wahrheit.

Der andere Teil der Untersuchung ist dem Roman „Atlantis“ gewidmet, in welchem direkte Bezüge zu Dostoevskij, Tolstoj und Kropotkin hergestellt werden.  Die Autoren verkörpern für Hauptmann die zentralen Hypostasen einer russischen Mentalität: die unwiderstehliche „heidnische“ Anziehungskraft des „lebendigen Lebens“; die Orthodoxie in Verbindung mit hoher Spiritualität und der spontane Anarchismus des russischen Wesens. Im Raum des Romans findet eine Begegnung zwischen Ost und West statt, ein philosophisches Aufeinandertreffen von Fortschritt und Vergangenheit.

Die Relevanz dieser Studie besteht darin, dass sie uns erlaubt, die Lücken in der Untersuchung von G. Hauptmanns Prosa zu schließen, da „Emmanuel Quint“ und „Atlantis“ zu den am wenigsten untersuchten Werken dieses Schriftstellers gehören. Dies gilt auch für die Perspektivierung der Analysen im Hinblick auf wechselseitige Kulturtransferprozesse zwischen der deutschen und russischen Literatur Ende des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts.

Betreuungsteam:
Prof. Dr. Dirk Kemper (Erstbetreuer)
Prof. Dr. Dieter Martin
Prof. Dr. Alexey Zherebin

Vita

Seit Oktober 2020
Doktorandin im Internationalen Graduiertenkolleg 1956 „Kulturtransfer und ‚kulturelle Identität‘ ‒ Deutsch-russische Kontakte im europäischen Kontext“, (ALU Freiburg/RGGU Moskau)

Seit September 2020
Dozentin für Deutsche Sprache am Lehrstuhl für ausländische Sprachen am Agrarwissenschaftlichen Institut der Russischen Universität der Völkerfreundschaft Moskau

Oktober 2019 – März 2020
Auslandssemester an der ALU Freiburg

April-Juni 2019
Praktikum beim Goethe-Institut Moskau

2018-2020
Masterstudium Russlandstudien: Literatur, Geschichte, deutsch-russischer Kulturkontakt an der ALU Freiburg und der Russischen Staatsuniversität für Geisteswissenschaften (RGGU) Moskau

Thema der Masterarbeit: «Die Welt des Absurden und die Absurdität der Welt in Werken N.V. Gogol’s und F. Dürrenmatts»

September 2017 – Juni 2019
Englischlehrerin an der Schule №2030

Juli 2016 – August 2016
Praktikantin bei der BUNT – Stiftung Bildung und integrative Arbeit GmbH

2013 – 2017
Bachelorstudium Theorie und Methodik der Vermittlung von Fremdsprachen und Kulturen MGLU

Thema der Bachelorarbeit: «Die Frauenbewegung in Deutschland am Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts im Spiegel der Sprache»

Publikationen

„Motiv des Wahnsinns in N. Gogols Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen und F. Dürrenmatts Achterloo“ In: Bexи – Milestones – Meilensteine. Literaturwissenschaft International: Freiburg – Moskau – St. Petersburg. 19. Symposium am Slavischen Seminar an der Universität Freiburg. Moskau, 2020. S. 11-16.

„Die epochenbedingten Besonderheiten der Rezeption von Werken Friedrich Dürrenmatts in Russland (am Beispiel der Aufführungen des Stücks „Der Besuch der alten Dame“)“ In: „Deutsche Literatur gestern und heute. 3. Studentische Konferenz am Thomas Mann-Lehrstuhl für Deutsche Philologie an der RGGU-Moskau. Moskau, 2019. S. 45-47.

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