Dora Kelemen

Dora Kelemen

Kontakt

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
IGK 1956 Kulturtransfer und ‚kulturelle Identität‘
Stadtstraße 5
79104 Freiburg im Breisgau
Deutschland

dora.kelemen[at]igk1956.uni-freiburg.de
Tel.: +49 761 203 98571

Projekt

Frauendarstellungen in der DDR- und UdSSR-Kriegsprosa über den Zweiten Weltkrieg

Im Laufe der Geschichte nahmen weibliche Gestalten in Kunst und Literatur über den Krieg einen wichtigen Platz ein. Schon in antiken Epen, aber auch in der Literatur und in den Chroniken der Rus‘, sind Frauen zu symbolischen Gestalten geworden, häufig als Beschützerinnen des Lebens oder die Personifikation des Heimatlandes selbst. Penelope wird in der Odyssee zur Verkörperung der treuen Frau, die auf die Rückkehr ihres Mannes wartet. Die Plač Jaroslavny, in dem Jaroslavna die heidnischen Gottheiten beschwört, ihren Mann Igor‘ aus der Gefangenschaft der Polowzer zu retten, ist einer der poetischsten Teile des Slovo o polku Igoreve und Jaroslavna ist somit zur Verkörperung der Frau geworden, deren Liebe so stark ist, dass sie ihren Mann vor dem Feind beschützen kann.

Vor diesem Hintergrund besteht das Ziel des Projektes darin, die Darstellung weiblicher Gestalten in der Kriegsliteratur der UdSSR und DDR über den Zweiten Weltkrieg weiter zu erforschen. Dem Projekt liegt dabei die Idee zugrunde, dass Kriegsliteratur eine doppelte Aufgabe erfüllt: Einerseits fungiert sie als Wissensspeicher über den Krieg – sowohl darüber, was passiert ist, als auch als Versuch der Auseinandersetzung mit den Ereignissen. Andererseits stellt die Kriegsliteratur – wie auch Literatur im Allgemeinen – den Versuch dar, die kollektive Identität und die eigene Rolle in der Vergangenheit zu konstruieren, teilweise auch durch den selektiven Vergangenheitsbezug (A. Assmann). Genau dieser zweite Aspekt – die Selektion der Ereignisse und ihre künstlerische Gestaltung – werden sich im Zentrum des Projektes befinden. Im Mittelpunkt stehen Fragen wie: Welche Rollen den Frauen zugeschrieben, welche Motive und Probleme angesprochen werden, welche Ereignisse in Bezug auf Frauen ausgewählt werden und wie die weiblichen Gestalten in die Texte eingebettet sind.

Das Ziel ist, die Wandlung dieser Aspekte vergleichend zu verfolgen und Ähnlichkeiten und Unterschiede in der Entwicklung der DDR- und UdSSR-Frauendarstellungen zu beleuchten. Dabei werden diese Fragestellungen nicht nur vergleichend betrachtet, sondern es wird die Vorbildfunktion der sowjetischen für die DDR-Literatur im Auge behalten und der Versuch unternommen, die Aneignung der sowjetischen Muster bei der Frauendarstellung zu untersuchen, und zwar die potentielle Nachahmung und Adaptation der Verfahren der Figurenbeschreibung aus der sowjetischen Literatur und Übernahme, Ablehnung oder Adaptation von Weiblichkeits- und Genderkonzepten. Es sollen also nicht nur die Fragen nach dem spezifisch sozialistischen Frauenbild und dem Verhältnis zwischen Gender, Identität und Krieg in diesen literarischen Texten beantwortet werden, sondern auch bestimmte Akteure und Wege der Transferprozesse zwischen UdSSR und DDR beleuchtet werden. Als ‚Kriegsprosa‘ werden dabei sowohl die Frontprosa als auch die Prosatexte über Heimkehrer und Zivilbevölkerung verstanden. Es werden repräsentative Texte von regimekonformen Schriftstellern und von politischen Dissidenten herangezogen, die zwischen 1945 und 1989 entstanden oder erschienen sind und es wird der Versuch unternommen, diesen Zeitraum auf Phasen aufzuteilen und somit den Wandel der oben genannten Aspekte nachzuzeichnen.

Betreuungsteam:

Prof. Dr. Weertje Willms (Erstbetreuerin)
Prof. Dr. Elisabeth Cheauré
Prof. Dr. Alexey Zherebin

Vita

Seit Oktober 2020

Kollegiatin im IGK 1956 „Kulturtransfer und ‚kulturelle Identität‘ – Deutsch-russische Kontakte im europäischen Kontext“

Studium

2018–2020

Studium der Deutschen Literatur im Masterstudiengang „Literatur-Kunst-Kultur“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

2014–2018

Bachelorstudium in Fächern „Germanistik“ und „Russistik“ an der Universität Zagreb


Auslandsaufenthalte und Teilnahme an Seminaren

September 2019

Projekt zum literarischen Übersetzen: „K/Eine Utopie(n) mehr? Ein Forum für junge, engagierte Literatur“ (Tivat, Montenegro)

August-September 2019

Akademie „Krakau International“ der Studienstiftung des deutschen Volkes und des DAAD (Krakau, Polen)

August 2018

Sommerkolleg der Universität Wien „Literarisches Übersetzen Premuda 2018“ (Kroatisch/Deutsch – Deutsch/Kroatisch) (Insel Premuda, Kroatien)

Sommersemester 2017

Erasmus+ Studienaufenthalt an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

August 2016

  1. Internationale Sommeruniversität der Otto-Friedrich-Universität Bamberg „Dichterschicksale in deutschen Landen“

Stipendien

2018-2020

Studienstipendium des DAAD für ausländische Graduierte aller wissenschaftlichen Fächer

2016-2018

Stipendium der Universität Zagreb für Studierende mit überdurchschnittlichen Studienleistungen

Publikationen

Kelemen, Dora: O nekotorych perevodach stichotvorenija G. Gejne „Ein Fichtenbaum steht einsam“ na russkij jazyk. Zagreb: FF-press. 2018 // Dani ruskoga jezika na Filozofskome fakultetu 2018. Zagreb: FF-press 2018

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