Elena Saranina

Elena Saranina

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RGGU Moskau
Miusskaja Pl. 6
125993 Moskau
Russland

 

elena.saranina[at]igk1956.uni-freiburg.de

Projekt

Literarische Ästhetisierungen der Moskauer Schauprozesse in deutschsprachiger Literatur

In den 1930er Jahren erregte das gesellschaftliche Experiment des Aufbaus des Sozialismus weltweit großes Interesse und die UdSSR wurde von vielen westlichen Intellektuellen besucht, darunter auch von deutschsprachigen Schriftstellern, deren Erfahrung mit dem Aufenthalt in der UdSSR einer der wichtigsten Punkte dieses Projektes ist. Allerdings waren nicht alle mit dem zufrieden, was sie erfuhren, viele waren vom politischen Regime und den durchgeführten Schauprozessen, enttäuscht. 

Die Zeit der 1930er Jahre in der UdSSR ist durch eine Spaltung der Realität zu charakterisieren: einerseits empfand man die Erfolge der Entstehung der neuen Gesellschaft, andererseits wurde mit den massenhaften Säuberungen begonnen, die ihren Höhepunkt im Jahr 1937 fanden. Ideologische ‚Säuberungen‘ wurden mittels intensivster Propaganda vollzogen, durch welche das menschliche Bewusstsein neu ausgerichtet werden sollte und all jene, die davon als „Andersdenkende“ abwichen, physisch liquidiert wurden. Eines der Instrumente dafür waren die Schauprozesse. Zwischen 1936-1938 wurden die drei größten Moskauer Schauprozesse durchgeführt. Die Prozesse vereinten zwei Aspekte der „Säuberung“: die physische Vernichtung durch die Verurteilung der Angeklagten zum Tod durch Erschießung sowie eine Prozessdramaturgie, die darauf abzielte, die Menschenmassen anhand des Hasses gegenüber den „Volksfeinden“ zu vereinigen.

Die Moskauer Schauprozesse fielen durch die Grausamkeit der Urteile auf und die Absurdität dessen, was sich im Gerichtssaal abspielte. So gingen sie in die Geschichte ein. Die Reaktion auf die Prozesse seitens der westlichen Intellektuellen folgte auf dieselbe verblüffende Art und Weise: erstaunliche Zustimmung mit den Geschehnissen bei den einen sowie Wut und scharfe Empörung bei den anderen. Wie bereits erwähnt, beunruhigten die Ereignisse der Moskauer Prozesse die Öffentlichkeit nicht nur innerhalb der Sowjetunion, sondern auch über deren Grenzen hinaus. Folglich, wurden die Moskauer Schauprozesse zum Denkanstoß und zum Material für viele deutschsprachige Autoren. Ihre Texte wiederum sind unmittelbarer Gegenstand der Untersuchung, da sie diese Ereignisse in schriftlicher Form aufbewahrt haben: Arthur Koestlers Sonnenfinsternis (1941), Heinrich Manns Ein Zeitalter wird besichtigt (1946), Lion Feuchtwangers Moskau 1937. Ein Reisebericht für meine Freunde (1937), Andre Gides Zurück aus Sowjetrussland (1936) und, nicht unbedeutend, ein Text, der die Ereignisse aus heutiger Perspektive betrachtet – Eugen Ruges Metropol (2019).

Dieses Projekt konzentriert sich auf die Untersuchung dieses historischen Phänomens des Stalinismus, da die Diskussionen um die Moskauer Prozesse noch immer andauern und ein weites Feld für Untersuchungen aus verschiedenen Perspektiven bieten. Das Projekt versucht insbesondere diese historische Phase zu untersuchen, aber nicht, um über die historische Wahrheit zu urteilen, sondern sich auf die ästhetischen und literarischen Merkmale der narrativen Bewältigung dieses Ereignisses in künstlerischen Formen zu konzentrieren

 Davon ausgehend versucht das Projekt solche Fragen beantworten, wie: Was war die Voraussetzung dafür, dass die Autoren ihre Texte so geschrieben haben, wie sie es getan hatten? Auf welche Weise haben die Autoren die Ereignisse wahrgenommen und aufgearbeitet? Welche Darstellungsmittel liegen der Textproduktion allgemein zugrunde? Welche narrativen Strategien setzten die Autoren ein? Auf welche Weise wird aus diesen Ereignissen Literatur geschaffen?

Das Projekt strebt auch an, einen Beitrag zur Erforschung des russisch-deutschen Transfers zu leisten, daher konzentriert sich die Untersuchung auf die Reaktionen westlicher Schriftsteller und das Textkorpus besteht überwiegend aus Werken deutschsprachiger Autoren.

 

Betreuungsteam:
Prof. Dr. Dirk Kemper (Erstbetreuer)
Prof. Dr. Elisabeth Cheauré
Prof. Dr. Dietmar Neutatz

Vita

Seit Oktober 2020
Doktorandin im Internationalen Graduiertenkolleg 1956 „Kulturtransfer und ‚kulturelle Identität‘ ‒ Deutsch-russische Kontakte im europäischen Kontext“, (ALU Freiburg/RGGU Moskau)

15.10.2019 – 15.02.2020
Auslandsemester an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br., Deutschland
Fach: Russlandstudien. Literatur, Geschichte und deutsch-russischer Kulturkontakt

01.04.2019 – 31.05.2019
Praktikum beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), Außenstelle Moskau; Aufgaben beim Praktikum: Erstellung von Tagungsunterlagen und Teilnahmebestätigungen für XXXVI. DAAD-Germanistikkonferenz, Textredaktion für soziale Medien.

Masterstudium
09.2018 – 06.2020
Russische Staatsuniversität für Geisteswissenschaften /RGGU Moskau, Russland
Masterprogramm Internationale Literaturwissenschaft: Deutsch-russischer Transfer
Abschlussarbeit: Lion Feuchtwangers Moskau 1937. Ein Reisebericht für meine Freunde zwischen Reisebericht und Propaganda

Bachelorstudium
09.2013 – 06.2018
Transbaikalische Staatliche Universität Tschita, Russland
„Lehrerbildung (fremde Sprachen)“
Abschlussarbeit: Audiovisuelle Unterrichtsmittel beim Hörverstehen (basierend auf dem Material deutscher Bildungswebseiten: Deutsche Welle, Deutsch für dich, Deutsch Musik Blog)

 

 

Publikationen

Saranina, Elena. Reisebericht oder Propaganda? Eine kritische Untersuchung der Entstehungsgeschichte von Lion Feuchtwangers Moskau 1937. In: Bexи – Milestones – Meilensteine. Literaturwissenschaft International: Freiburg – Moskau – St. Petersburg. 19. Symposium am Slavischen Seminar an der Universität Freiburg. Moskau, 2020. S. 17-22.

 

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